„Geschenke sind der soziale Kitt unserer Gesellschaft”

Herr Szabo, welche Bedeutung haben Geschenke?

Geschenke sind der soziale Kitt unserer Gesellschaft. Dabei gibt es zwei Arten: zum einen die Geschenke, bei denen ich etwas gebe und auch etwas bekomme. Das ist eine soziale Konvention, die eher dem Tausch entspricht, der wiederum Grundlage unserer sozialen Kultur ist. Zum anderen gibt es aber auch eine spirituelle Art des Schenkens: Ich gebe jemandem etwas, das mir viel bedeutet, ohne dafür etwas zu erwarten. Eine Opfergabe, vollkommen selbstlos. Das ist etwas exklusiv Menschliches. Ein selbstloser Akt, bei dem das egoistische Menschsein transzendiert, und das macht das Geschenk so besonders.

Warum messen wir dem Schenken so viel Bedeutung zu?

Schenken macht unser Menschsein aus. Der Mensch identifiziert sich im Akt des Schenkens als Mensch. Es ist Teil seiner Identität. Wenn alles auf Nützlichkeit basiert, ist der Zustand gestört. Schenken ist etwas sehr Sinnliches, der Lustcharakter tritt in den Vordergrund. Die Lust entsteht durch das, was man geschenkt bekommt. Der Tausch wiederum ist eine Art von Kommunikation. Wenn diese asymmetrisch verläuft, ist einer zu Recht gekränkt.

Warum verpacken wir Geschenke?

Das hat sich erst in den letzten 30 Jahren etabliert. Verpackung hat etwas mit Verkleidung und Maskenspiel zu tun. Es entsteht ein Zauber. Für einen kurzen Augenblick weiß man nicht, was sich dahinter verbirgt. Dieses Moment der Überraschung wird durch die Verpackung transportiert. Ein Geschenk ohne Verpackung ist eine profane Gabe und wird erst durch eine bestimmte Symbolik wie Schleife, Papier und Karte zum Geschenk.

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Was macht ein gutes Geschenk aus?

Ein gutes Geschenk ist persönlich und erfasst den Charakter des zu Beschenkenden. Es soll selbstlos und freiwillig sein und auch mir selbst etwas bedeuten. Dabei werden die Geschenke mit Erwartungen aufgeladen, und der Beschenkte soll es entsprechend würdigen. Deshalb wird auch der von der Schwiegermutter geschenkte röhrende Hirsch hervorgekramt und auf einen Ehrenplatz gestellt, wenn sie zu Besuch kommt, nur um später wieder zu verschwinden. Kein Wunder: An Geschenken können soziale Gefüge auseinanderbrechen und sich Blutfehden entspinnen! Weil sie schiefgegangen sind oder nicht gewürdigt wurden.

Hat sich die Bedeutung des Schenkens gewandelt?

In jüngster Zeit sind Geschenke zum einen sehr persönlich geworden, zum anderen werden immer mehr Geschenkgutscheine verschenkt. Diese reduzieren das Geschenk auf eine sehr abstrakte Ebene: auf den Geldwert. Nun könnte man auch einfach Geld schenken. Aber man möchte deutlich machen, dass man sich etwas dabei gedacht hat. Gutscheine sind ein Zeichen des Respekts, weil ich nicht versuche, meine Vorstellungen von einem perfekten Geschenk in den intimen Raum des anderen zu transportieren.


8 Mrd. €

– EU-weit wurden 2015 acht Milliarden Euro mit Geschenkartikeln umgesetzt.


280 €

Im Jahr 2016 gab jeder Deutsche im Durchschnitt 280 Euro für Weihnachtsgeschenke aus. Am beliebtesten waren Bücher (38 %), gefolgt von Spielwaren (34 %) und Bekleidung/Accessoires (29 %).

Fotos von oben nach unten: Fotolia, Plainpicture (3)

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